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Ausbildung in der Rüstungsindustrie: 8 Berufe im Datencheck

LearnSlice Team /

Drei Fachkräfte besprechen an einem Laptop einen Prüfstand mit Kabelbäumen in einer hellen Ausbildungs- und Entwicklungswerkstatt

Die Rüstungsindustrie sucht Personal. Im ersten Halbjahr 2026 schaltete die Branche rund 4.700 Stellenanzeigen, 22 % mehr als ein Jahr zuvor.

Gebaut wird die Technik aber nicht von Ingenieuren allein. Sie braucht Mechatroniker, Zerspaner und Elektroniker. Und genau in diesen Berufen wird ein wachsender Teil der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst, die meisten davon im ersten Jahr.

Im Folgenden finden Sie die Zahlen zur Ausbildung in der Rüstungsindustrie, Beruf für Beruf, und die Stelle, an der Ausbildungsbetriebe am meisten bewirken können.

Gegenüberstellung: plus 22 Prozent Stellenanzeigen in der Rüstungsindustrie im ersten Halbjahr 2026, minus 9,1 Prozent neue Ausbildungsverträge in Metall- und Elektroberufen 2025

Die 8 wichtigsten Ausbildungsberufe der Rüstungsindustrie im Datencheck

Ein Hinweis vorab: Eine eigene Statistik nur für die Rüstungsbranche gibt es nicht. Die Zahlen unten gelten bundesweit und für alle Branchen. Ein Industriemechaniker bei einem Werkzeugmaschinenbauer zählt also genauso mit wie einer bei einem Rüstungszulieferer.

BerufNeue Verträge 2025Gelöst 2022 in %Gelöst 2024 in %Bestanden 2024 in %
Industrie­mechaniker10.38312,316,296,4
Mecha­troniker8.22010,514,596,0
Elektroniker für Betriebs­technik7.37114,318,692,2
Zerspanungs­mechaniker3.71721,826,095,7
Elektroniker für Automatisierungs­technik2.21110,613,093,6
Konstruktions­mechaniker1.96826,827,896,4
Elektroniker für Geräte und Systeme1.70116,319,896,4
Fluggerät­mechaniker92413,712,394,6

Gelöst: Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge (Lösungsquote). Bestanden: Anteil bestandener Abschlussprüfungen (Erfolgsquote I). Quellen: neue Verträge 2025 aus der BIBB-Erhebung zum 30. September 2025, alle anderen Werte aus den BIBB-Datenblättern, verlinkt am Berufsnamen. Die Berufsbezeichnungen gelten für alle Geschlechter.

So lesen Sie die Tabelle:

  • Der Nachwuchs ist überschaubar. In allen acht Berufen zusammen wurden 2025 rund 36.500 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Um genau diese Nachwuchskräfte werben Rüstungsfirmen, Maschinenbauer und Autozulieferer gleichzeitig.
  • Es gehen mehr verloren als früher. In sieben von acht Berufen ist der Anteil vorzeitig beendeter Verträge seit 2022 gestiegen. Beim Zerspanungsmechaniker endet inzwischen gut jeder vierte Vertrag vorzeitig. Einzige Ausnahme sind die Fluggerätmechaniker: Nach 18,4 % im Jahr 2023 sank der Wert 2024 auf 12,3 %.
  • Die Prüfung ist selten das Hindernis. In allen acht Berufen werden mehr als 92 % der Abschlussprüfungen bestanden. Das Problem liegt nicht am Ende der Ausbildung, sondern am Anfang.

Punktdiagramm: Anteil vorzeitig gelöster Ausbildungsverträge 2022 und 2024 in acht Metall- und Elektroberufen, gestiegen in sieben Berufen, gesunken nur bei Fluggerätmechanikern

Mehr Stellen, weniger Azubis

Die Nachfrage ist eindeutig. Von den 4.700 Stellen der Branche waren laut Index Research fast 1.600 für technische Fachkräfte ausgeschrieben. Die meisten Anzeigen je Standort entfielen auf Unterlüß, Kassel und Schrobenhausen. Auch das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des IW sieht wachsende Engpässe in Metall- und Elektroberufen, etwa beim Schweißen, in der Metallbearbeitung und im Maschinenbau. Den steigenden Bedarf bringt es unter anderem mit den Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur in Verbindung.

Beim Nachwuchs zeigt die Entwicklung in die andere Richtung. Laut IG Metall Ausbildungsbilanz wurden 2025 in den klassischen Metall- und Elektroberufen rund 25.800 Ausbildungsverträge geschlossen. Das sind 9,1 % weniger als im Jahr davor und fast ein Fünftel weniger als 2019.

Bemerkenswert ist: Bewerber gibt es. Am 30. September 2025 suchten noch 39.900 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, so viele wie seit 2007 nicht mehr. Betriebe und Bewerber finden also oft nicht zueinander. Und selbst wenn sie es tun, ist der unterschriebene Vertrag erst der Anfang.

Warum Quereinsteiger die Lücke nicht schließen

Viele hoffen auf Fachkräfte aus der Autoindustrie, wo gerade Stellen wegfallen. Eine Studie des IAB dämpft diese Hoffnung. Im vergangenen Jahr sind bundesweit nur rund 1.100 Beschäftigte aus anderen Industriebranchen in die Rüstung gewechselt. Das ist dreimal so viel wie vor 2020. Gemessen an den rund 15.000 Industriearbeitsplätzen, die derzeit jeden Monat wegfallen, ist es dennoch wenig.

Für die meisten Betriebe heißt das: Die Fachkräfte von morgen müssen sie selbst ausbilden. Und sie müssen sie halten.

Die Prüfung ist nicht das Problem

Wer nur auf die Abschlussprüfung schaut, sieht eine gesunde Ausbildung. 92 bis 96 % der Prüfungen werden bestanden.

Diese Quote hat allerdings einen blinden Fleck. Sie erfasst nur Prüfungen, die tatsächlich abgelegt werden. Wer im ersten Jahr geht, taucht darin gar nicht auf.

Genau diese Gruppe wächst. Über alle Berufe hinweg wurden 2024 laut BIBB 29,7 % der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Die acht Berufe aus der Tabelle liegen alle darunter, das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Der Trend zeigt nach oben. Für einen Betrieb mit 20 Azubis pro Jahrgang bedeuten 16 % rund drei verlorene Verträge, Jahr für Jahr.

Vorzeitig beendet heißt nicht abgebrochen. Das BIBB betont selbst, die Lösungsquote „ist keine Abbruchquote“. Viele Azubis wechseln nur den Betrieb oder den Beruf und machen woanders ihren Abschluss. Für das Unternehmen, das sie eingestellt, eingearbeitet und bezahlt hat, ist die Investition trotzdem weg.

Das erste Jahr entscheidet

Wann enden die Verträge? Der BIBB-Datenreport 2026 gibt darauf eine klare Antwort. So verteilen sich alle vorzeitig gelösten Verträge des Jahres 2024:

Gestapelte Balken: Von allen vorzeitig gelösten Ausbildungsverträgen 2024 endeten in Industrie und Handel 36,5 Prozent in der Probezeit und 33,9 Prozent später im ersten Jahr, über alle Berufe 34,7 und 32,9 Prozent

In Industrie und Handel, wozu die Metall- und Elektroberufe zählen, enden also rund 70 % aller gelösten Verträge in den ersten zwölf Monaten.

Stellen Sie sich einen Mechatroniker-Azubi im dritten Monat vor. Neue Werkstatt, neue Kollegen, Berufsschule, dazu zum ersten Mal Elektrotechnik. Beim ohmschen Gesetz kommt er nicht mehr mit. Er hat schon dreimal nachgefragt und traut sich kein viertes Mal. Von außen sieht niemand etwas. So kann der Weg aus dem Vertrag beginnen.

Natürlich endet nicht jeder Vertrag wegen des Lernstoffs. Bei Konflikten im Betrieb oder einer falschen Berufswahl hilft keine Lernhilfe. Aber vieles, was Sie als Betrieb beeinflussen können, passiert in diesem ersten Jahr.

So vergleichen Sie Ihren Betrieb mit den Zahlen

Die Tabelle wird erst richtig nützlich, wenn Sie Ihre eigenen Zahlen danebenlegen. Dafür reicht eine einfache Rechnung pro Beruf:

  1. Jahrgänge wählen. Nehmen Sie alle Azubis eines Berufs, die vor mindestens zwei Jahren angefangen haben, zum Beispiel alle Mechatroniker der Jahrgänge 2021 bis 2023. Rund 90 % aller Vertragslösungen passieren in den ersten zwei Jahren, diese Jahrgänge sind also fast vollständig.
  2. Gelöste Verträge zählen. Egal ob Kündigung durch den Azubi, durch Sie oder Aufhebungsvertrag.
  3. Teilen. Gelöste Verträge geteilt durch begonnene Verträge ergibt Ihre Quote.

Das BIBB rechnet mit einem anderen Verfahren, Ihr Wert ist also ein Näherungswert. Für eine ehrliche Einschätzung reicht er. Liegen Sie beim Industriemechaniker deutlich über 16 %, lohnt sich ein genauer Blick. Liegen Sie darunter, machen Sie offenbar vieles richtig. Bei wenigen Azubis pro Jahr schwanken die Werte stark, fassen Sie dann lieber mehrere Jahrgänge zusammen.

Schauen Sie zum Schluss, wann die Verträge gelöst wurden. Liegen die meisten Fälle in den ersten zwölf Monaten, wissen Sie, wo Sie ansetzen.

Was ein gelöster Vertrag kostet

Für das Gespräch mit Geschäftsführung oder Controlling helfen zwei Zahlen aus der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung für das Ausbildungsjahr 2022/23:

  • Ein Azubi kostet im Schnitt rund 26.200 € pro Jahr. Rund 70 % davon erwirtschaften Azubis durch ihre Mitarbeit selbst, netto bleiben rund 8.100 €.
  • Eine Fachkraft von außen zu gewinnen kostet im Schnitt rund 13.700 €. Im Vergleich zu früheren BIBB-Erhebungen sind diese Kosten um 65 % gestiegen, die Nettokosten der Ausbildung nur um 28 %.

Balkendiagramm: Ausbildung kostet im Schnitt rund 26.200 Euro brutto und 8.100 Euro netto pro Jahr, eine Fachkraft extern zu gewinnen rund 13.700 Euro

Beides sind Durchschnittswerte über alle Berufe. Die Richtung ist trotzdem klar: Ein Azubi, der im ersten Jahr geht, kostet doppelt. Einmal die Ausbildung, die keine Fachkraft hervorbringt. Und einmal die Stelle, die Sie später doch von außen besetzen müssen, mit allen Kosten und Unsicherheiten der Suche. Eine erste Schätzung für Ihren Betrieb liefert unser Ausbildungskosten-Rechner.

5 Dinge, die Sie beim nächsten Jahrgang anders machen können

1. Die Probezeit für Gespräche nutzen. Planen Sie feste Termine in Woche 2, 6 und 12. Stellen Sie konkrete Fragen statt „Läuft alles?“. Eine Checkliste für die ersten acht Wochen finden Sie in unserem Leitfaden zum Azubi-Onboarding.

2. Die Theorie nicht allein der Berufsschule überlassen. Gerade in den Elektroberufen entstehen Lücken früh und werden dann größer. Kurze, regelmäßige Wiederholungen im Betrieb fangen sie auf, am besten passend zu den Lernfeldern der Berufsschule.

3. Auf frühe Signale achten. Mehr Fehltage, dünnere Berichtshefte, ein Azubi, der plötzlich keine Fragen mehr stellt. Mit einem digitalen Berichtsheft sehen Sie solche Muster früher als im Papierordner, der erst am Monatsende auf Ihrem Tisch liegt.

4. Ausbilder entlasten, statt mehr von ihnen zu verlangen. Wer wachsende Jahrgänge mit gleich vielen Ausbildern betreut, hat weniger Zeit für das einzelne Gespräch. Sieben Ansätze dafür haben wir in Ausbilder entlasten zusammengestellt.

5. Den Betriebsrat früh einbinden. Daten zum Lernfortschritt von Azubis sind ein Thema für die Mitbestimmung. Setzen Sie digitale Hilfen deshalb von Anfang an als Unterstützung auf, nicht als Kontrolle, und legen Sie die Regeln gemeinsam fest.

Und wenn die IT-Sicherheit Nein sagt?

In der Rüstungsindustrie steht vor jeder digitalen Lernhilfe dieselbe Frage: Wo landen unsere Daten?

Die Antwort muss konkret sein. Ein KI-Tutor für Azubis lässt sich vollständig in Deutschland hosten oder im eigenen Rechenzentrum betreiben. Dann verlassen keine Daten das Unternehmen.

Noch einfacher wird es, wenn Sie mit nicht sensiblen Inhalten beginnen. Ausbildungsrahmenplan, Berufsschulstoff und die Vorbereitung auf Teil 1 der Abschlussprüfung brauchen keine einzige interne Zeichnung. Firmendokumente kommen erst dazu, wenn IT-Sicherheit und Exportkontrolle zugestimmt haben. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag über DSGVO-konforme KI-Tools für Ausbilder.

So arbeitet auch LearnSlice. Ihre Azubis bekommen einen Tutor, der auf dem Ausbildungsrahmenplan und Ihren eigenen Unterlagen aufbaut und zu jeder Antwort die Quelle nennt. Ihre Ausbilder sehen früh, wer den Anschluss verliert.

Startseite von LearnSlice aus Sicht eines Azubis: Lernplan, Berichtsheft, Themen zur IHK-Prüfung und Onboarding im Menü, in der Mitte die nächste vorgeschlagene Übung und die schwächste Übung zum Wiederholen

So sieht LearnSlice für Azubis aus: Lernplan, Berichtsheft und Prüfungsthemen an einem Ort. Die Startseite schlägt vor, was als Nächstes dran ist, und holt die schwächste Übung zurück.

Das ersetzt weder das Gespräch in der Werkstatt noch eine gute Ausbildungskultur. Aber es sorgt dafür, dass der Azubi im dritten Monat mit seiner Frage nicht allein bleibt.

Sie bilden Mechatroniker oder Elektroniker aus? In einer kurzen Demo zeigen wir Ihnen, wie das mit Ihrem Ausbildungsrahmenplan aussieht.

Quellen

Alle Zahlen in diesem Beitrag stammen aus den folgenden Quellen. Geprüft am 1. Oktober 2026.

Die BIBB-Werte gelten bundesweit und für alle Branchen. Eine eigene Statistik nur für die Rüstungsindustrie gibt es nicht.

Geschrieben von

L

LearnSlice Team

Häufig gestellte Fragen

Welche Ausbildungsberufe braucht die Rüstungsindustrie?

Vor allem Metall- und Elektroberufe: Industriemechaniker, Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker, Konstruktionsmechaniker und Elektroniker für Betriebstechnik, Automatisierungstechnik sowie Geräte und Systeme. In der Luftfahrt kommt der Fluggerätmechaniker dazu. Es sind dieselben Berufe, die auch Maschinenbau und Zulieferer ausbilden.

Wie hoch ist die Abbruchquote bei Industriemechanikern?

2024 wurden laut BIBB bundesweit 16,2 % der Ausbildungsverträge im Beruf Industriemechaniker vorzeitig gelöst, 2022 waren es 12,3 %. Streng genommen ist das keine Abbruchquote, denn viele Azubis machen in einem anderen Betrieb oder Beruf weiter. Für den Betrieb, der sie eingestellt hat, ist der Vertrag trotzdem verloren.

Wann werden die meisten Ausbildungsverträge gelöst?

Früh. Von allen Vertragslösungen 2024 fielen 34,7 % in die Probezeit und weitere 32,9 % in den Rest des ersten Ausbildungsjahres. Zusammen sind das rund zwei Drittel, in Industrie und Handel sogar rund 70 %. So steht es im BIBB-Datenreport 2026.

Was kostet ein Azubi pro Jahr?

Laut BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung für das Ausbildungsjahr 2022/23 im Schnitt rund 26.200 € brutto. Durch ihre Mitarbeit erwirtschaften Azubis rund 70 % davon selbst, netto bleiben rund 8.100 € pro Jahr. Das sind Durchschnittswerte über alle Berufe und Branchen.

Kann man Azubis in der Rüstungsindustrie digital unterstützen, wenn Inhalte sensibel sind?

Ja, wenn man mit nicht sensiblen Inhalten anfängt. Ausbildungsrahmenplan, Berufsschulstoff und Prüfungsvorbereitung brauchen keine internen Unterlagen. Firmendokumente kommen erst dazu, wenn IT-Sicherheit und Exportkontrolle zugestimmt haben, und dann auf Servern in Deutschland oder im eigenen Rechenzentrum.